Bei der Übergabe der Kunstwerke (von links): Anna Orsini, Max Lubowietzki, Lea Wiethoff, Viktoria Korte, Jan Backhaus, Christian Pospischil, Marlies Backhaus, Hartmut Hosenfeld und Pauline Hillesheim.

„We remember“ als Dauerausstellung im Rathaus

Kunstprojekt zu „Shalom Attendorn 2018“: Bürgermeister Christian Pospischil nimmt acht eindrucksvolle Kunstwerke dankbar an

Die Ergebnisse des Kunstprojektes WE REMEMBER haben einen Platz als Dauerausstellung im Rathaus der Hansestadt Attendorn gefunden.

WE REMEMBER war ein besonderer und nachhaltiger Beitrag der international beachteten Veranstaltungsreihe „Shalom Attendorn 2018“, die die Initiative „Jüdisch in Attendorn“ aus Anlass des 80. Jahrestages der Novemberpogrome 1938 organisiert hatte.

Das Kunstprojekt wurde im Rahmen der Jugendkulturnacht NRW 2018 durch das Jugendzentrum Attendorn durchgeführt. Für die künstlerische Vorbereitung und die praktische Umsetzung mit den Jugendlichen waren Marlies Backhaus und Jan Backhaus verantwortlich.

Bei dem Projekt erinnerten acht junge Attendornerinnen und Attendorner an jüdische Kinder ihrer Heimatstadt, die in der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben wurden. Sie gestalteten eine virtuelle Patenschaft in Fotocollage und Malerei. „Vor einem gemalten Bild stehen sich unsere Gesichter gegenüber und überspringen die Geschichte. Wir erinnern uns an euch. Wir sehen eure Fotos und stellen uns vor, dass wir hätten Freunde werden können.“ erläutert Marlies Backhaus die Grundidee dieses eindrucksvollen Projektes.

Mit dabei war Lea Wiethoff, die ihre Bildidee beschreibt: „Ich spiele gerne Geige und liebe die Musik. Über mein virtuelles Patenkind Margaret Ursell kann ich mir vorstellen, dass sie diese Leidenschaft mit mir geteilt hätte. Auf meiner Fotocollage scheint sie Freude an meinem Geigenspiel zu haben.“

Oder Viktoria Korte: „Neben dem Foto von mir ist eine Fotografie von Lisa Ursell. Sie ist mir gleich ins Auge gefallen, weil sie auf dem Bild so herzlich lacht. Unsere beiden Portraits sind mit der Darstellung eines Keyboards verbunden. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Lisa mein Hobby, die Liebe zu Musik und Gesang, teilt. Doch ihr Lächeln erinnert mich daran, wie glücklich ich bin, wenn ich musiziere.“

Max Lubowietzki entschied sich zu einer Patenschaft mit Gerhard Stern: „Er kam mir auf den ersten Blick sympathisch vor. Er war wohl so wie ich ein humorvoller Mensch und scheint vom Typ her zu mir zu passen: neugierig und offen. Als Zeichen der Verbundenheit habe ich am PC eine Selfie-Collage montiert. Der vielfarbige Graffiti-Hintergrund passt zu meiner – vielleicht auch seiner – bunten Lebenseinstellung.“

Pauline Hillesheim setzte das Eingangsportal des Rivius Gymnasium künstlerisch in Szene: „Ich habe die Patenschaft für Julius Böheimer übernommen. Uns beide verbindet, dass wir Schüler auf dem Rivius Gymnasium waren. Er hat den Holocaust dank Freunden in einem Versteck im Bergischen Land überlebt.“

Anna Orsini vom Jugendzentrum Attendorn als Mitinitiatorin beteiligte sich selbst an dem Projekt: „Auf meinem Bild bin ich 6 Jahre alt. Getrud Stern ist mein Patenkind. Sie hatte drei jüngere Brüder und wurde von den Hausangestellten „Sternchen“ genannt. Deswegen habe ich uns einen Sternenhimmel gemalt, der unsere virtuelle Patenschaft symbolisiert.“

Aus den Händen der beteiligten Jugendlichen und der Organisatoren nahm Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil vor einigen Tagen die acht Kunstwerke dankbar an. Denn diese werden ab sofort einen festen Platz als Dauerausstellung im „Schulamtsflur“ im 1. Obergeschoss des Rathauses bekommen. Hier kann auch die von Marlies Backhaus gestaltete Ausstellungsbroschüre kostenlos mitgenommen werden.

Christian Pospischil: „Auch drei Jahre später sorgen die eindrucksvollen Bilder und die Idee der virtuellen künstlerischen Partnerschaften zwischen den Generationen noch immer für reichlich Gänsehaut. Die Bilder sind bei uns im Rathaus bestens aufgehoben, denn hier werden sie gesehen und beachtet.“

Hartmut Hosenfeld und Tom Kleine von der Initiative „Jüdisch in Attendorn“ bedankten sich ebenfalls bei allen Beteiligten: „Die emotionalen Reaktionen der Angehörigen der früheren jüdischen Familien Attendorns beim Anblick der Bilder vor drei Jahren werden wir niemals vergessen. Dieses nachhaltige Projekt ist und bleibt sehr wertvoll.“

Da während der derzeitigen Corona-Pandemie die Besuchsmöglichkeiten im Rathaus sehr eingeschränkt sind, können die Kunstwerke auch auf der Homepage der Initiative „Jüdisch in Attendorn“ https://www.juedisch-in-attendorn.org/weremember/ bewundert werden. Zudem stehen hier die Ausstellungsbroschüre zum kostenlosen Download sowie der projektbegleitende Film des Attendorner Filmemachers Jan Backhaus bereit.